Abendandacht Nr. 87


Guten Abend,

wenn ich morgens aufwache, höre ich draußen ein wunderbares, vielstimmiges Vogelkonzert. Das Gezwitscher der kleinen „Piepmatze“ ist für mich wie eine Lobeshymne an den großartigen Schöpfer. Ich versuche, die unterschiedlichen Vogelarten zu erkennen (darin bin ich aber nicht sehr gut). Die Stimmen zu unterscheiden, ist aber nicht nur etwas für Hobbyornithologen. In verschiedenen Lebenslagen ist jeder gefordert, Stimmen, Meinungen und Sichtweisen zu beurteilen und zu unterscheiden.

Als der jüdische König Joschafat vom israelitischen König Ahab aufgefordert wird, mit ihm in den Krieg gegen Aram zu ziehen (1.Kön.22), will er Gottes Meinung dazu hören. 400 Propheten sagen, wie es Ahab erwartet: „Geh´ mit, alles wird gut!“ Joschafat spürt, dass da nicht der lebendige Gott redet, sondern nur „bezahlte Bauchpinsler“ dem Mainstream der Meinungsmache folgen. „Ist hier kein Prophet des HERRN mehr, dass wir durch ihn Gott befragen?“ Joschafat hakt nach. Ihm geht es darum, durch alle politische und religiöse Stimmungsmache hindurch – Gottes wahrhaftiges Reden zu hören.

Das ist auch in diesen Tagen eine schier unmögliche Mammutaufgabe. Kenne ich Gottes Wort und nehme ich mir die Zeit, wirklich um Durchblick und Klarheit zu beten? Wie schnell lasse auch ich mich hinreißen, in den Klagechor oder den Beschwerdegesang mit einzustimmen. Wie schnell sind auch mein Gehör und mein Innerstes von Vertröstung und Bagatellisierung voll. Gottes Weisung und Seine Wahrheit, das Hintergründige und prophetisch Vorbereitete sehe ich schon gar nicht mehr.

Joschafat kennt Gottes Stimme. Der Prophet Micha, der dem König Ahab ein Dorn im Auge war, weil er kompromisslos Gottes Wahrheit bezeugte, tritt ins Rampenlicht. Ahab wollte nur die Bestätigung seiner Meinung und Pläne. Joschafat ging es darum, Gottes Willen zu tun und im Einklang mit Gottes Führung zu sein, selbst wenn es für ihn und sein Ansehen nachteilig schien.

Jesus sagt, dass wir als Menschen, die mit dem Heiligen Geist beschenkt sind, Seine Zeugen sind. Bist du dir dieser Verantwortung bewusst?

Woher soll eine Gesellschaft, die total säkularisiert ist, Gottes Sichtweise hören?

Wie können Menschen, die sich in ihrem Denken nur um sich selbst drehen, Gottes Absichten und Ziele verstehen, wenn ich als Christ nicht die prophetische Stimme in dieser Zeit bin? Da braucht es vor allem ein betendes Hinhören, Stille, das Meditieren des Wortes Gottes, ein Prüfen und Hinterfragen von Meinungen und letztlich Gottes Weisheit, Weisung und Demut.


Mit herzlichen Grüßen,

Bild "Abendandachten:lrappus.JPG"