Abendandacht Nr. 85


Guten Abend,

mit dem Erinnerungsvermögen ist das so eine Sache. Es gibt Dinge, die ich lieber vergessen würde, aber sie einfach nicht aus meinem Kopf bekomme, und es gibt Dinge, die ich mir gerne merken will, aber schnell vergesse.
Es gibt Dinge, die die Gesellschaft nicht vergessen darf. Auf der ganzen Welt gibt es Kriegsdenkmäler mit den Namen derer, die für ihr Land gefallen sind. In der Regel tragen sie eine Überschrift wie „Im Gedenken an“ (oder ähnliches). Der spanische Philosoph George Santayana sagte, „Diejenigen, die sich nicht der Vergangenheit erinnern, sind verurteilt, sie erneut zu durchleben“.

Wir besitzen ein gewisses Maß an Kontrolle über unsere Erinnerung. Die Bibel spricht von Dingen, die wir „vergessen“ sollen, an anderes, fordert sie uns wiederholt auf, sollen wir uns „erinnern“. Es liegt bei dir, was du „vergessen“ und an was du dich „erinnern“ möchtest.

In seinen verschiedenen hebräischen und griechischen Formen erscheint das Wort „vergessen“ insgesamt über 250 Mal in der Bibel. Es ist so leicht zu vergessen, was Gott alles für dich getan hat. Aber es ist wichtig, dass du sowohl auf dein Leben als auch auf die Kirchengeschichte (gestern vor 500 Jahren war z.B. der Beginn Reichstags zu Worms, bei dem Martin Luther seine 95 Thesen verteidigte und für die alleinige Autorität der Bibel eintrat) zurückblickst und dich erinnerst, was Gott bisher schon alles getan hat.

Ich denke, dass trotz Vielem, was in der Corona-Pandemie in unserem Land nicht „rund“ gelaufen ist, wir doch sehr gnädig hindurchgekommen sind. Nirgends mussten Ärzte und Ärztinnen entscheiden, wer beatmet wird und wer sterben muss. Keiner wurde total allein gelassen, um den finanziellen Ausfall seines Verdienstes zu tragen, für alle gibt es Masken und Tests …

Mit welchem Recht klagen wir und vergessen dabei, wie gut es uns, trotz mancher ungewohnten Einschränkungen, geht? Leider gewöhnt man sich so schnell ans Gute, dass es zur Selbstverständlichkeit wird. Sobald diese erschüttert wird, ist der Aufschrei riesig und die Dankbarkeit für das Gewesene klein.

Ich möchte mich stattdessen erinnern. Erinnern, dass es jetzt auch wieder Frühling wird. Dass nicht aufhört Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Mich daran freuen, dass sich Jesus mit Seiner niemals endenden Liebe und Güte jeden Tag um mich sorgt.

Ich kann Gottes hoffnungsvolle Botschaft täglich hören und uneingeschränkt weitersagen, wenn das auch momentan nur digital geht. Darin will ich auch eine Chance für die Zukunft entdecken, die neue Zuschauer und Zuhörer erreichen kann. Welchen Ton schlägst du in deinem Leben an?

Nutze doch mal diesen Abend, um dich zu erinnern, was heute oder diesen Monat alles gut gegangen ist.


Einen gesegneten Abend,

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